Geschmäcker sind verschieden!

Jetzt darf ich doch tatsächlich den neuen beauty-blog von femmestyle eröffnen:-)

Dafür muss ich natürlich eine nicht alltägliche Geschichte aus dem Hut zaubern, schließlich will ich mich ja nicht unbedingt blamieren und dann schuld sein, wenn hier niemand mehr vorbeischaut, um Neues oder auch Außergewöhnliches aus der Welt der Schönheitschirurgie zu lesen.

Vielleicht zuerst eine kurze Vorstellung meinerseits.

Ich bin Facharzt für Psychiatrie und arbeitete bis vor Kurzem an der Universitätsklinik Wien. In dieser Eigenschaft werde ich hin und wieder um meine Meinung gefragt, wenn den Kollegen von femmestyle nicht ganz klar ist, ob man Interessenten/innen für eine schönheitschirurgische Operation mit einem plastisch-chirurgischen Eingriff etwas Gutes tut oder eher eine psychotherapeutische Behandlung vorteilhafter wäre.

Die Aufgabenstellung, die mir diesen Sommer näher gebracht wurde, war es wert, 3-mal gelesen zu werden.

Bei der ersten Durchsicht vermutete ich sogar einen Scherz der Kollegen. Stand da doch in knappen Worten in einer e-mail:  “Bitte prüfen – Patient will Hörner eingepflanzt bekommen. Bilder und genauer Bericht folgen”.

Tja, und die Bilder, die ich am nächsten Tag zu sehen bekam, bestätigten 1. dass Geschmäcker verschieden sind und 2. dass man über Geschmack nicht streiten kann (oder soll).

Das Bild zeigte einen etwa 30- jährigen Mann, das Gesicht im “Schuppenlook” tätowiert (Vorbild Schlange?), die Zähne chirurgisch angespitzt und auch die Ohren waren irgendwie spitzer, das war auf dem Foto nicht gut erkennbar.

Ach ja, auch die Zunge war chirurgisch gespalten, was die Annahme, das eine Schlange als Vorbild dienen sollte, in mir verstärkte.

Die Mitte der Stirn zierte ein etwa 20 Zentimeter langes Horn. Dieses war aber nur geklebt und sollte  einem fest verankertem Horn weichen.

Chirurgisch wäre der Wunsch des Herren ja umsetzbar und so beschloss ich, ihn in meine Praxis einzuladen.

Zwei Wochen später. Nachdem der Patient dem ersten Termin unentschuldigt fernblieb, klopfte es nun doch zum vereinbarten Zeitpunkt an der Tür.

Auch ich bin nur ein Mensch und ich hoffte ernsthaft, dass meine innere Verwunderung äußerlich nicht bemerkt wurde. Eine derartig massive Metamorphose hatte ich bisher nie zu Gesicht bekommen.

Nicht nur das Gesicht, sondern der ganze Körper (soweit sichtbar) war im Schuppenlook verschönert. Ich würde sagen, in einem amphibischen Grün.

Die darauffolgende Konversation würde ich, aufgrund der gespaltenen Zunge, als eher schwierig bezeichnen. Es stellte sich heraus, die vorangegangenen Eingriffe wurden in Brasilien durchgeführt. Ziel sollte die Umwandlung in einen Schlangenmenschen sein, aber auch hier setzte ein Meinungsumschwung ein. Wird die “normale” Schlange zu banal, dann muss eben eine Art Fabelwesen (deshalb das Horn) herhalten.

Die Schlange, als einfaches Kriechtier, weicht einem göttlichen, amphiben Einhorn. Natürlich fällt das darauffolgende, lange Gespräch und die Diagnose unter das Datenschutzgesetz. Nur soviel sei verraten: Die Einpflanzung des Horns (ein Vorgang, der laut Patient jährlich zu wiederholen wäre – denn das Horn muss ja wachsen und reifen) hätte ihn vermutlich nicht viel glücklicher gemacht. Weitgreifendere Veränderungen waren geplant. Und spätestens bei den Flügeln hätten wir uns schwer getan!

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